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1.
Stadtgründung
2.
Die Nebenresidenz
3. Die Alte
Vorstadt
4. Die Neue
Vorstadt
5. Die
Mollerstadt
6. Die
Gründerzeit
7. Das 20.
Jahrhundert
©Freundeskreis
Stadtmuseum, 2004
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Berühmtheiten
der Altstadt
Die Altstadt war Geburt-, Wohn- oder
Wirkungsort zahlreicher
Darmstädter, die es in späteren Lebensjahren
oder auch erst nach ihrem Tod zu anerkannten Ruhm gebracht haben. V. a.
das Pädagog als ehemalige Schule war für zahlreiche spätere Berühmtheiten
die erste Station ihres kreativen Wirkungspfades.
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Justus
Freiherr von Liebig (1803-1873):
Geboren in der Altstadt, war er das
zweitälteste von zehn Kindern des Drogeristen Georg Liebig und
seiner Frau Maria Caroline. Liebigs Geburtshaus stand in der Großen
Kaplaneigasse 30, die Drogerie seines Vaters in der Ochsengasse.
Justus von Liebieg war Schüler
des Pädagogs. Er war ein mäßiger Schüler, lieber experimentierte
er zuhause oder im Laden des Vaters mit chemischen Elementen. Seine |
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Schullaufbahn endete jäh, als seine Tasche während des Unterrichts
plötzlich in Flammen aufging. 1817-1818 ging erbei dem
Heppenheimer Apotheker Werle in die Lehre, doch auch hier wurde er
rausgeschmissen, als er beim Experimentieren ein Loch in die
Hausdecke sprengte. 1820-1821 studierte er, trotz fehlen des
Abiturs, in Bonn und Erlangen Chemie. Mithilfe eines Stipendiums von
Großherzog Ludewig I beendete er 1822 sein Studium in Paris. Auf
Empfehlung Alexanders von Humboldt wurde er 1824 Chemieprofessor in Gießen. 1825 heiratete er Henriette Moldenhauer, mit
der er fünf Kinder bekam. 1845 wurde Liebig durch Großherzog
Ludwig II aufgrund seiner wissenschaftlichen Verdienste zum
Freiherrn ernannt. Ab 1852 ging er nach München, um
naturwissenschaftlicher Berater des bayrischen Königs Maximilian II
zu werden. Auch war er erst Mitglied, später Präsident der
dortigen Akademie der Wissenschaft. In seinen letzten Lebensjahren
schwer erkrankt, starb er am 18. April 1873 in München. Dort wurde
er auch begraben. Liebig gilt als Begründer der modernen
Agrikulturchemie. Seine bekannteste Erfindung ist das nach ihm
benannte Fleischextrakt. Zudem entdeckte er das Chloroform.
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Georg
Büchner (1813-1837):
Büchner wurde am 17. Oktober 1813 in Goddelau im Großherzogtum
Hessen-Darmstadt als Sohn eines Amtschirurgen geboren. Er war ein
Bruder der Schriftstellerin Luise Büchner (1821-1877), des
Schrifstellers und Literaturhistorikers Ludwig Büchner (1824-1899)
und Alexander Büchners (1827-1904).
1825-1831
besucht er zusammen
mit Ernst Elias Niebergall das Pädagog. Ab 1833 studierte Büchner
in Straßburg und Gießen Medizin, Naturwissenschaften, Geschichte
und Philosophie.
Er schloss sich der radikalpolitischen Freiheitsbewegung an.
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1834
gründete er die ‚Gesellschaft für Menschenrechte’, um die
ungerechten sozialen Verhältnisse in Hessen zu ändern. 1835 musste er aufgrund seiner politischen
Flugschrift ‚Der Hessische Landbote’, die er zusammen mit dem
Butzbacher Rektor Weidig verbreitet hatte, fliehen. Im selben Jahr
verfasste er das Drama ‚Dantons Tod’. 1836 wurde er Privatdozent
an der Universität Zürich und schrieb die Werke ‚Woyzeck’ und‚Leonce und Lena’. Im Jahr darauf starb er in Zürich an Typhus, wo
er auch beerdigt wurde. Die Deutsche Akademie für Sprache und
Dichtung in Darmstadt verleiht seit 1949 jährlich den Georg-Büchner-Preis.
Er gilt als der angesehenste deutscher Literaturpreis.
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Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799):
Lichtenberg wurde am 1. Juli 1742 als
17. und jüngstes Kind des Theologen und späteren
Landessuperintendenten Johann Conrad Lichtenberg in benachbarten
Ober-Ramstadt geboren. Acht der Geschwister wurden tot geboren, vier
starben früh. Er selbst litt seit seiner Geburt an einer Rückratsverkrümmung,
weshalb er einen Buckel bekam.
Lichtenberg war Schüler des
Pädagogs. Aufgrund eines Stipendiums des Landgrafen Ludwig VIII
studierte er von 1763 -1767 in Göttingen Mathematik, Astronomie und
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Naturwissenschaft. Nach dem Studium widmete er sich von 1766 bis
1770 zunächst als Hofmeister der Erziehung englischer Studenten.
Dann sollte er auf Wunsch Ludwigs IX. von Darmstadt in Gießen
lehren, nahm aber 1770 eine Professur für Experimentalphsik
ebenfalls in Göttingen an. Sein bekanntester Schüler war Alexander
von Humboldt.Lichtenberg wurde durch seine Forschungen und Entdeckungen europaweit
bekannt. Ein Prinzip zur Sichtbarmachung von elektrostatischer
Entladung ist bis heute nach ihm benannt auch die auf Benjamin
Franklin zurückgehende Unterscheidung positiver und negativer
Ladung mit den Zeichen plus und minus setzte er endgültig durch.
1789 heiratete er Margarethe Keller, das Paar bekam zwei Töchter.
1799 starb Lichtenberg in Göttingen an den Folgen einer Lungenentzündung.
Sein Grab befindet sich ebenfalls in Göttingen.
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Georg
Gottfried Gervinus (1805-1871):
Er machte sich einen Namen
als Historiker, Literaturhistoriker und Politiker. Gervinus wurde am
20. Mai 1805 in Darmstadt geboren. Sein Vater war der Wirt des noch
heute vorhandenen Gasthauses ‚Bockshaut’. Er war ebenfalls Schüler
des Pädagogs. Ursprünglich Kaufmann von Beruf, studierte Gervinus
ab 1826 Geschichte; 1835 erhielt er eine Professur in Heidelberg,
von wo aus er 1836 nach Göttingen wechselte. Als erster Historiker
und Literaturwissenschaftler beschäftigte er sich mit der
Wechselwirkung zwischen
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Geschichte und literarischem Schaffen. Als
er 1837 als einer der Göttinger Sieben, denen u. a. die Germanisten
Jakob und Wilhelm Grimm und der Historiker Christoph Dahlmann angehörten,
gegen die Aufhebung der Verfassung durch den reaktionären König
Ernst August II. von Hannover protestierte, wurden er und seine
sechs Kollegen vom König sofort entlassen. 1847/48 gründete
Gervinus, der 1848 für kurzeZeit Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung war, die Deutsche
Zeitung als Sprachrohr der gemäßigten propreußischen Liberalen,
das für die Errichtung eines deutschen Bundesstaates plädierte.
Wegen seines von demokratischer Fortschrittsgläubigkeit getragenen
Werkes Einleitung in die Geschichte des 19. Jahrhunderts (1853)
verlor er, seit 1844 Professor in Heidelberg, nach einem
Hochverratsprozess erneut seine Lehrbefugnis. Von der politischen
Entwicklung in Deutschland enttäuscht, lebte er bis zu seinem Tod
am 18. März 1871 als Privatgelehrter in Heidelberg. Dort wurde er
auch beerdigt. Zu seinen weiteren wichtigen Werken gehören die
Geschichte des 19. Jahrhunderts seit den Wiener Verträgen sowie
seine Autobiographie Georg Gottfried Gervinius’ Leben von ihm
selbst erzählt, die 1893 postum erschien.
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Ernst
Elias Niebergall (1815-1843):
Der spätere Schriftsteller war zunächst ebenfalls Schüler
des Pädagogs. Während seiner Zeit als Theologiestudent in Gießen
(1832-1835) war er mit Georg Büchner befreundet. Später war er als
Lehrer in Darmstadt und Dieburg tätig. Mit seiner in Darmstädter
Mundart herausgegebenen Tragikomödie des ‚Datterichs’ schuf er
eine Lokalposse von überzeitlicher Bedeutung. Die Darmstädter
Altstadt mit ihren zahlreichen Lokalen und Gasthäusern in der das
Stück spielt, fand somit bis in unsere heutige Zeit eine die Zerstörung
überdauernde unbezahlbare Würdigung.
Auch viele Jahre nach seinem
Tod war man sich der Bedeutung von Niebergalls Werk und seiner
Person zunächst nicht bewusst. Sein Grab wurde deshalb 1872
eingeebnet und neu belegt. Der Platz auf dem Alten Friedhof an der
Nieder-Ramstädter Straße, wo heute der Grabstein steht ist deshalb
kein Grab sondern nur eine Gedenkstätte.
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August
Lucas (1803-1863):
Darmstadts
berühmter Maler aus der Zeit der Romantik ist ein Kind der Altstadt
und entstammt einer kleinbürgerlichen Familie, die ihr Haus in der
Marktgasse 6 hatte. Lucas war das jüngste von drei Kindern des fürstlichen
Damenschneiders Friedrich August Lucas und seiner Frau Anna Maria.
1815-1817 besuchte als Schüler das Pädagog und hatte dort, ebenso
wie Liebig und Gervinus, seine Schwierigkeiten mit dem gymnasialen
Schulbetrieb. Vielmehr beschäftigte er sich bereits damals mit dem
Zeichnen.
Nach der Konfirmation verließ
er die Schule und erhielt 1817
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Kunstunterricht an der
Museumszeichenschule. GroßherzogLudewig I finanzierte ihm 1825 den
Besuch der Münchener Kunstschule, 1826 zog er wieder nach
Darmstadt. Bei mehreren Reisen durch den Odenwald und nach Italien
fertigte er Landschaftsbilder an, die er. verkaufte, zusätzlich gab
er privaten Zeichenunterricht. 1838 heiratete er TheodoreStoltz. 1854 starb sie mit zwei ihrer vier Kinder. 1841 wurde Lucas
Zeichenlehrer an der Höheren Gewerbeschule, der späteren
Technischen Hochschule. 1848 heiratete er Eva Maria Spengler, die
ebenfalls nach wenigen Jahren starb. 1861 war Lucas einer der
Mitbegründer der ‚Darmstädter Künstlergesellschaft’.
Verschiedene Werke von Lucas sind im Schlossmuseum und im Hessischen
Landesmuseum zu sehen, ein Großteil seiner Arbeit ist verschollen
zugrunde gegangen. Sein Grab befindet sich auf dem Alten Friedhof an
der Nieder-Ramstädter Straße.
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Abbè
Vogler, eigentl. George Joseph (1749-1814):
Vogler
wurde in Pleichach bei Würzburg geboren, später in Rom zum
Priester geweiht. Ab 1775 wurde er Hofkaplan und zweiter
Kapellmeister in Mannheim. Ab 1783 ging er als Orgelvirtuose auf
Reisen: in Stockholm wurde er Hofmusikdirektor, anschließend lebte
er für zwei Jahre in Wien und Italien.1807 holte ihn Großherzog
Ludewig I als Hofkapellmeister nach Darmstadt. Zudem gründete er
hier eine Musikschule. Vogler war zu seiner Zeit als Komponist, als
Orgelspieler, als Musikschriftsteller und v.a. als Lehrer sehr
bekannt. Seine beiden berühmtesten Schüler waren Carl Maria von
Weber und Giacomo Meyerbeer.
Voglers
Grab befindet sich noch heute an der Süd-Ost-Ecke des alten
Friedhofs am Kapellplatz, wo sich der Weg von der Mühlstraße am
Ludwig-Georgs-Gymnasium zur Karlstraße entlangzieht. Der Grabstein
ist jedoch ein Duplikat, das Original befindet sich in einem
Privatgarten an der Bergstraße.
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Helfrich
Peter Sturz (Stürz) (1736-1779)
Er wurde als Sohn des fürstlichen
Kabinettkassierers Johann Peter Friedrich Sturz am 16. 2. 1736 in
Darmstadt geboren. Hier besuchte er zunächst das Pädagog. Von 1753
bis 1756 studierte Sturz in Jena, Göttingen und Gießen
Rechtswissenschaften. 1764 ging er unter dem Grafen von Bernstorff
als Diplomat nach Dänemark, weil er für sich in Darmstadt keine Möglichkeit
einer beruflichen Weiterentwicklung sah. In Dänemark wurde er ein
bekannter und angesehener Schriftsteller. In Folge der so genannten
Struensee-Affäre wurde er 1772 aus dem dänischen Dienst entlassen.
In seinen letzten vier Lebensjahren wurde Sturz Staatsrat in
Oldenburg, wo er sich als Schriftsteller, Zeichner und Maler einen
Namen machte. 1779 starb Helfrich Peter Sturz während einer Reise
nach Bremen.
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Johann
Jakob Kaup (1803-1873)
Kaup
wurde in Darmstadt geboren und stammte aus sehr ärmlichen Verhältnissen.
Vor seiner Geburt musste sein Vater aufgrund eines Streits mit einem
Offizier fluchtartig die Stadt verlassen. Kaup besuchte zeitgleich
mit Liebig und Gervinus das Pädagog. Aufgrund der späteren
Verdienste der drei um die Naturwissenschaft nannte sie man auch das
‚Dreigestirn’. 1819 musste er aus finanziellen Gründen die
Schule verlassen, er beschäftigte sich mit ersten
naturwissenschaftlichen Forschungen. Sein Geld verdiente er u.a. mit
Vogelpräparieren. Er studierte in Göttingen und Heidelberg, ab
1823 kurzzeitig auch im holländischen Leyden. 1825 wurde er nach
seiner Rückkehr nach Darmstadt Assistent im Museum, 1828 stellte
ihn Großherzog Ludewig I am Naturalienkabinett an, dessen Inspektor
er 1840 wurde. 1831 wurde ihm von der Universität Gießen die
Ehrendoktorwürde verliehen. 1834 heiratete Kaup Elise Hauser, das
Paar bekam vier Töchter und einen Sohn. 1858 verlieh ihm Großherzog
Ludwig III den Professorentitel. Das Grab von Johann Jakob Kaup
befindet sich auf dem Alten Friedhof an der Nieder-Ramstädter Straße.
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