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Soweit
nicht anders angegeben, handelt es sich um eigene Aufnahmen
Bild
1
Darmstadt nach Leske-Plan von 1822, Aufteilung der
Stadtviertel. 1: Altstadt, 2: Geschäftsviertel, 3: Kasinoviertel (2
und 3: Mollerstadt), 4: Ludwigsviertel, 5: Martinsviertel
(entstanden aus der Pankratiusvorstadt), 6: Kapellplatzviertel
(Wiest, Stationen, S. 143).

Bild 2
Die vier Stadtplanausschnitte lassen das Wachstum
der Stadt bis 1590, 1750, 1850 und 1900 erkennen. Anhaltspunkt ist
jeweils das Schloß (aus Wamser-Plan von 1894, nach Zimmer,
Martinsviertel, S. 11).

Bild 3
Plan der Stadt Darmstadt nach J. M. Weiß, 1799
(Haupt, Baudenkmäler, Bd. 1, Beilage).

Bild
4
Stadtplan vom Stadtgebiet
Darmstadts um 1990. Die Einzelkulturdenkmäler sind rot, die
Gesamtanlagen orange und die Gartendenkmäler grün dargestellt
(Ausschnitt aus: Fries, Denkmaltopographie, S. 70).

Bild
5
Bevölkerungsentwicklung Darmstadts (Ackermann,
Wasserburg, S. 31).

Bild
6
Vorbild für eine Zeitleiste (Fries,
Denkmaltopographie, Beilageblatt).

Bild
7
Die Luftaufnahme der
Altstadt von 1928 zeigt die heute noch vorhandenen baulichen Überreste
in gelb. Nicht markiert ist das Schloss (Deppert/Häussler,8f).

Bild
8a und 8b
Die Stadtkirche um 1940 und nach dem Angriff vom 25.
auf den 26. 8. 1944. Blick vom Turm des Pädagogs (Deppert/-Häussler,
S. 53, 55).


Bild
9
Der Altstadtbereich nach der Denkmaltopographie mit
den heutigen Baudenkmälern umfasst die 1695 begonnene und 1745
ummauerte Neue Vorstadt. Rot sind die Einzelkulturdenkmäler, orange
die Gesamtanlagen und grün die Gartendenkmäler dargestellt (Fries,
Denkmaltopographie, S. 70). Siehe auch Bild 3.

Bild
10
Der Altstadtbereich ohne die Alte Vorstadt 1939.
Farblich ist die Mauer von 1330 nachgezeichnet (Ausschnitt aus: Häussler,
Darmstadts Stadtmitte).

Bild
11
Der Altstadtbereich ohne die Alte Vorstadt heute.
Farblich ist die Mauer von 1330 nachgezeichnet (Ausschnitt aus: Häussler,
Darmstadts Stadtmitte).

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Die
Bezeichnung "Altstadt" taucht seit dem frühen 19.
Jahrhundert zunächst für den ab 1330 ummauerten Bereich Darmstadts
auf. 1823 ist die "Alte Stadt" erstmals in einer Karte zu
finden.
Zum Bereich der Altstadt zählten bald auch die Alte Vorstadt, das
Schloss und der Schlossgarten (Bild 1).
Im
Folgenden wird die Entwicklung der Darmstädter Altstadt bis heute
dargestellt. Bis zum 19. Jahrhundert entspricht die Geschichte der
Altstadt weitgehend der allgemeinen Darmstädter Stadtgeschichte. In
der weiteren Stadtentwicklung tritt die Altstadt in den Hintergrund.
Welchen Einfluss Neue Vorstadt, Mollerstadt und gründerzeitliche
Stadterweiterung auf den Altstadtbereich hatten und wie die
Entwicklung bis heute verlaufen ist, wird die anschließende
Abhandlung zeigen.
Die
fränkische Siedlung
Eine
erste Besiedelung des Darmstädter Stadtgebietes entstand bereits in
fränkischer Zeit. Seit dem achten Jahrhundert weitete sich das
Frankenreich rechts des Mittelrheins aus. Ob schon zu dieser Zeit
der Darmstädter Raum in Marken als politische Verwaltungseinheiten
eingeteilt wurde, ist nicht mehr feststellbar. Ebenso muss es
Vermutung bleiben, ob die Darmstädter Siedlung als Niederlassung
eines kaiserlichen Forstbeamten entstanden ist. Die älteste Überlieferung
des Darmstädter Stadtnamens, "Darmundestat", stammt aus
der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts und deutet auf fränkischen
Ursprung. Die Bedeutung des Stadtnamens ist nicht eindeutig zu klären,
dürfte aber aus der Funktion als befestigte Stätte herzuleiten
sein.
Die
Darmstädter Siedlung gehörte zunächst zum Forst- und Wildbann
Dreieich, der ab dem Jahr 1000 bis ins hohe Mittelalter eine
wichtige Rolle im Reich spielte. Aus den Besitzungen Dreieichs löste
sich später die Grafschaft Bessungen, die dem Würzburger Hochstift
zugeschlagen wurde, mit dem Darmstädter Gebiet heraus. Bis zum
Reichsdeputationshauptschluss 1803 blieb das Darmstädter Gebiet ein
Würzburger Lehen.
Burgbau,
Stadtrecht und Bau der Stadtmauer
Im
13. Jahrhundert erhielten würzburgische Lehnsleute Teile des Darmstädter
Raumes, von denen bis zum Ende des 13. Jahrhunderts die Grafen von
Katzenelnbogen unter Diether V. die Oberherrschaft erlangten. Um die
Herrschaft abzusichern, entstand Mitte des 13. Jahrhunderts die
Darmstädter Wasserburg (Bild 18a), deren Ursprung wiederum ein
immer mehr befestigtes Forsthaus gewesen sein könnte.
Eine ähnliche Burg stand in Arheilgen, bis deren Zuständigkeit auf
die Darmstädter Burg überging. Die Bedeutung der Burg war zunächst
noch gering, so dass auch die Siedlung nicht wesentlich zunahm. Später
wurde die Darmstädter Burg Teil eines Burgensystems, das den
Aufstieg der Grafschaft im 14. Jahrhundert begünstigte. Dadurch
gewann auch die Siedlung an Bedeutung. Dieser topographische
Dualismus von befestigtem Herrensitz und Siedlung entsprach in der
Regel den früh- und spätmittelalterlichen Stadtgründungen.
Über
die Verteidigung der Darmstädter Burg ist nur sehr wenig überliefert.
Sie wurde von Burgmannen übernommen, die in der Regel dem niederen
ritterschaftlichen Adel angehörten. Durch Lehnsverträge wurden
diese zum Wohnen in Burgnähe verpflichtet. Dafür erhielten sie jährliche
Zuwendungen, so genannte Gülden. Im Bereich der Darmstädter Burg
lassen sich 18 Adelsfamilien feststellen, von denen etwa ein Dutzend
ihre Höfe in der später ummauerten Stadt hatten. Als erster
Burgmanne kann 1292 Friedrich von Frankenstein nachgewiesen werden,
dessen Familie einen Hof am Bessunger Tor bis 1560 bewohnte.
An
der Topographie (Bild 13) lässt sich feststellen, dass sich die später
ummauerte mittelalterliche Altstadt aus zwei Siedlungszellen
entwickelt hat. Darmstadt entspricht damit dem topographischen Typ
einer gewachsenen Anlage.
So laufen die Straßen nicht von Westen nach Osten durch. Beide
Siedlungen waren durch den Darmbach im Bereich von späterer Bach-
und Holzgasse voneinander getrennt. Eine spätere Verbindung wurde
nur durch Markt- und Ochsengasse hergestellt. Auch die Bezeichnung
des Marktplatzes mit "Plan" deutet darauf hin, dass dieser
ursprünglich außerhalb der befestigten Siedlung, dem späteren
Oberdorf, gelegen hat. Ein weiterer Anhaltspunkt ist die Randlage
der Stadtkirche. Battenberg vermutet deren Ursprung in einer
Friedhofskapelle.
Der
Friedhof lag am anderen Bachufer, außerhalb des ursprünglichen
Siedlungskerns.
Auf
einer Anhöhe östlich der Burg, im Bereich der Obergasse, ist der
älteste Kern der Stadt, das Oberdorf zu vermuten. Dies erklärt die
starke Ausdehnung des späteren Mauerrings nach Nordosten. Es ist
anzunehmen, dass sich dieser Stadtbereich weitgehend ungeplant
entwickelt hat. Die Hauptachse verlief in Süd-Nord-Richtung vom
Bessunger Tor zum Arheilger Tor über Bessunger Straße, Holzstraße,
Lang- und Obergasse. Die Holzstraße ist schon 1232 bezeugt.
Der
westliche Teil der später befestigten Stadt, das Unterdorf, dürfte
mit der Verleihung des Stadtrechtes 1330 größtenteils durch
Landgraf Wilhelm I. geplant und von Wilhelm II. ausgeführt worden
sein. Diese neugegründete, auf die Burg ausgerichtete Anlage
entsprach auch der damaligen günstigen Finanzsituation des
Grafenhauses. Besonders die Kirchstraße entwickelte sich unabhängig
von der Oberstadt als Fortsetzung der Straße von Bessungen zur
Burg. Südlich der Burg lag damals wie heute der Marktplatz mit dem
Rathaus.
Die
Verleihung des Stadtrechts am 23.7.1330 durch Kaiser Ludwig den
Bayern wurde durch die Situation im Reich begünstigt. Graf Wilhelm
I. unterstützte den Kaiser in seiner Auseinandersetzung mit dem
Papst und Friedrich von Habsburg. Für diese dem Reich geleisteten
Dienste erhielt Wilhelm die Privilegierung für Darmstadt. Sie galt
dem Grafen persönlich, die Siedlung selbst konnte daraus kein Recht
herleiten. Damit war das Entstehen einer Stadt im Rechtssinne
gegeben. Das kaiserliche Befestigungsregal wurde auf Graf Wilhelm I.
übertragen. Es konnte ein Wochen- und ein Jahrmarkt abgehalten
werden. Beide Märkte waren am Frankfurter Recht orientiert. Das
Marktrecht führte zu einer zentralen Wirtschaftsfunktion
Darmstadts, daher richtete sich das Umland auf die Stadt aus. Den
mit dieser neuen Wirtschaftsfunktion möglichen Ausbau der Stadt hat
dann Wilhelm II., der bereits 1331 die Regierung übernahm, in die
Wege geleitet.
Darmstadt
gehört zu den spät privilegierten Städten des Mittelalters und lässt
sich immer noch dem Typ der Kleinstadt zurechnen, auch wenn dessen
Hauptphase vor 1300 liegt. Charakteristisch für Kleinstädte, die
in größerer Zahl unter anderem im fränkisch-hessischen Raum zu
finden sind, ist die Abhängigkeit vom Landesherren, meist kleinerer
Dynastien, und die Ausrichtung auf ältere Großstädte, wie es für
Darmstadt Frankfurt im Norden und Worms und Speyer im Süden waren.
Kleinstädte entstanden zumeist im Umkreis befestigter Amtsorte.
Daher waren sie stärker auf die herrschaftlichen Raumgefüge
ausgerichtet als auf das fernere Marktgeschehen. Für das einfache
Handwerk und die Ackerbürger genügte der Nahmarkt.
Battenberg
grenzt Darmstadt gegenüber den Minderstädten Lichtenberg und
Bieberau, die zwar 1312 privilegiert wurden, sich aber nicht
entwickeln konnten, ab. Dennoch blieb der dörfliche Charakter der
ursprünglichen Siedlung bis Anfang des 17. Jahrhunderts bestehen.
Die
beiden Darmstädter Siedlungskerne wurden zusammen mit noch
unbebauten Flächen durch eine Mauer befestigt. Die Befestigung
schloss in Osten und Südwesten an die Burg an (Bild 13).
Daher ist der Burgwall zur Stadt hin abgetragen worden, nur der
Wassergraben blieb erhalten. Damit war der topographische Dualismus
zwischen Burg und Siedlung aufgehoben. Die Mauer umschloss mit ihrer
ungefähren Länge von 1300 Metern etwa 13 Hektar.
Sie bestand, wie andere Mauern dieser Zeit, aus einer inneren und
einer äußeren Mauer. Der Bereich dazwischen, etwa vier bis sechs
Meter breit, diente zum Niederzwingen von Feinden, die die äußere
kleinere Mauer überwunden hatten. Ein solcher Bereich wird daher
als "Zwinger" bezeichnet. Vor der äußeren Mauer waren
ein Wassergraben und ein kleiner Wall angelegt (Bild 22).
Östlich
der Burg verlief die Mauer eine Anhöhe hinauf und bog nach etwa 250
Metern hinter dem Arheilger Tor in einer großen Kurve nach Süden
ab (Nordabschnitt). Ab dem Schlangenturm führte sie bergab, zunächst
in einer Geraden von etwa 60 Metern bis zum Runden Turm. Einige
Meter hinter dem Turm knickte sie leicht in westliche Richtung ab
und verlief etwa 200 Meter gerade bis kurz hinter den Hinkelsturm.
Von hier aus, nach einem weiteren leichten Knick Richtung Westen,
verlief sie etwa 150 Meter in gerader Linie, bis sie in der Höhe
des Pädagogs ihre Richtung in einem Winkel von 120 Grad genau nach
Westen änderte (Ostabschnitt). In dieser Richtung führte sie knapp
100 Meter bis hinter das Bessunger Tor, machte eine Biegung von 140
Grad in nordwestliche Richtung und lief in langem geradem Stück von
knapp 300 Metern direkt auf den Weißen Turm zu. Von diesem knickte
sie ab und schloss an die Süd-West-Ecke der Burg an (Süd/Westabschnitt).
Der
Bau der Darmstädter Mauer hat sich von 1330 bis in das erste
Drittel des 15. Jahrhunderts erstreckt. Zwei Abschnitte sind
festzustellen: Zunächst ist ab 1330 mit dem Bau der inneren Mauer
begonnen worden. Sie hatte eine Höhe von bis zu acht Metern und
eine Dicke von etwa einem Meter. Auf der Innenseite waren Arkaden
vorgelagert, die den Wehrgang trugen. Die innere Mauer wurde ohne
Fundament direkt auf den Felskies gegründet.
Erst
nach Fertigstellung der Innenmauer und dem Steuerprivileg von 1418
konnte ein zweiter Ring mit Zwinger, Graben, Wall und Vorwerken um
die erste Mauer gezogen werden. Die äußere Mauer war nur etwa
einen halben Meter stark und vier bis sechs Meter hoch. Dafür war
diese bis zu vier Meter in den Boden gegründet, um Untergrabungen
zu verhindern. Innen- und Außenmauer waren an strategisch wichtigen
Stellen mit Türmen gesichert. Die Türme der inneren Mauer waren
meist eckig und hoch, während der äußeren Mauer halbrunde
Bastionstürme vorgelagert waren.
Die
ursprüngliche Darmstädter Verteidigungsanlage hatte, da dies die
gefährdetesten Punkte waren, nur zwei Stadttore; im Süden das
Bessunger und im Norden das Arheilger Tor. Erst 1451 kam im
Zusammenhang mit den Schlossumbauten das Neue Tor hinzu.
Ursprünglich befanden sich fünf Türme an der Stadtmauer, die alle
an der inneren Mauer standen: Schlangenturm, Runder Turm,
Hinkelsturm, Mühlturm und Weißer Turm (Bild 13).
Vergleichbare
Verteidigungsmauern sind in anderen Städten schon seit Anfang des
13. Jahrhunderts entstanden. Daher war die Darmstädter Anlage bald
nach der Fertigstellung wehrtechnisch veraltet. Der Darmstädter
Mauer entsprach die nach 1333 für die Frankfurter Stadterweiterung
begonnene Ummauerung.
Der
Verteidigungswert der Darmstädter Mauer war nicht nur durch die
veraltete Bauweise gemindert. Schon im 14. Jahrhundert wurde die
wichtige Ringstraße an einigen Stellen, zunächst durch Adelshöfe
wie dem noch bis 1944 bestehenden Frankensteiner Hof, überbaut. In
diesen Fällen ging der Wehrgang durch private Räume. Ab dem 16.
Jahrhundert baute die zunehmende Bevölkerung dann immer dichter an
die Mauer heran. Das war zwar gegen die Gesetze, wurde aber von der
Obrigkeit nicht verfolgt.
Seit
dem 14. Jahrhundert wurde die Verteidigung der Mauer vermutlich in
vier Wehrbezirke, so genannte Letze (Bild 13), eingeteilt. Deren Bürger
unterstanden je zwei Letzmeistern, die die Verteidigung eines
Mauerabschnittes organisierten.
Die
Heirat von Wilhelm II. mit Else von Hanau 1355 bedingte einen Ausbau
der Wasserburg. An den ursprünglichen Herrenbau, den Palas, wurde
ein hölzerner Fachwerkbau angefügt, 1377 die Burgkapelle geweiht.
Ein weiterer Ausbau ist ab 1449 verzeichnet. Philipp der Jüngere
ließ den Herrenbau nach Süden verlängern (Bild 18a). Battenberg
bezeichnet die Burg erstmals als Schloss, das in den Ausmaßen zwar
bescheiden war, den Ansprüchen der Hofhaltung aber genügte. Im
Westen, zwischen Burg und Stadtmauer, ist 1451 wohl aus praktischen
Gründen der Burgandienung das Neue Tor in die Stadtmauer eingebaut
worden (Bild 18b).
Die
zweite größere öffentliche Baumaßnahme nach der Stadtbefestigung
war der Ausbau der 1369 von der Bessunger Kirche gelösten und zur
Stadtkirche erhobenen Darmstädter Kapelle. Dieser erste Ausbau der
Stadtkirche begann schon in der Mitte des 14. Jahrhunderts und muss
um 1380 abgeschlossen gewesen sein. Etwa zwischen 1420 und 1430 ist
die Stadtkirche nochmals ausgebaut worden. Dieser zweite Umbau prägt
das noch heute bestehende Aussehen der Kirche.
.
Battenberg
vermutet in dem Schultheißenbau, der in der Oberstadt (Langgasse
43) stand, das erste Gebäude für bürgerliche Versammlungen. Ein
erstes von den Bürgern errichtetes Verwaltungsgebäude, das in den
Quellen von 1397 und 1415 als "Spilhus" bezeichnet wird,
kam als Rathaus am Marktplatz der Unterstadt dazu.
Die
Stadtregierung in der Zeit der Katzenelnbogner lag hauptsächlich
bei den 14 Schöffen, aus denen sich in späterer Zeit der Stadtrat
entwickelte. Das Schöffengericht hatte im 14. Jahrhundert neben den
gerichtlichen Aufgaben die städtische Verwaltung inne. Dennoch
blieb bis zum Ende des 16. Jahrhunderts das wichtigste politische
Amt das des landesherrlichen Schultheißen. Die Stadt verfügte noch
nicht über selbständige Herrschaftsorgane. Erst allmählich beschränkte
sich die Tätigkeit des Schultheißen auf die Gerichtsbarkeit. Seine
Aufgaben gingen allmählich an das in Darmstadt erstmals ab 1456 erwähnte
Bürgermeisteramt über. Dieses war, wie im Mittelalter vielfach üblich,
zweigeteilt. Battenberg führt dies auf Gegensätze zwischen Rat und
Bürgerschaft zurück, die durch die Zweiteilung ausgeglichen werden
sollten. Weitere Ämter sind aus den Quellen nicht zu erschließen,
können aber, so Battenberg, vermutet werden.
In
der Stadt lagen im Bereich der Unterstadt, zwischen Markt und
Stadtkirche, etwa ein Dutzend Adelshöfe. Der in der Nähe des
Bessunger Tores liegende Frankensteiner Hof ist als einziger zu
lokalisieren, er bestand bis 1944. Dieser Hof war mit Mauer und
Torturm befestigt. Die Bebauung zwischen Marktplatz und Stadtkirche
dürfte bereits im 15. Jahrhundert städtischen Charakter gehabt
haben.
1479
starb das Geschlecht der Katzenelnbogner aus. Der Besitz fiel an
Landgraf Heinrich III. von Oberhessen, der von Marburg aus regierte.
Er starb 1483. Darmstadt, das zu dieser Zeit etwa 1000 Einwohner
hatte, war für die nächsten Jahrzehnte wieder politisch
bedeutungslos. Die Stadt hatte, trotz Mauer, noch immer den
Charakter eines ackerbürgerlichen Dorfes.
Deppert/Häussler, Altstadt, S. 12. Hier ist nur der
ursprüngliche Kern, ohne die Alte Vorstadt so bezeichnet.
Wiest, Stationen, S. 143. Ein Teil der westlichen
Altstadt zählte ab den 1820er Jahren zum Geschäftsviertel. Die
Darstellungen von Wiest, Stationen, S. 143 und Deppert/Häussler,
S. 12 sind hinsichtlich der Abgrenzung von Altstadt, Alter
Vorstadt und Geschäftsviertel widersprüchlich. Die Bezeichnung
Altstadt für den 1330 ummauerten Kern, die Alte Vorstadt und
den Schloßgartenbereich ist auch in Fries, Denkmaltopographie,
S. 70 zu finden. Darüber hinaus wird hierzu aber auch noch die
erste Erweiterung der Neuen Vorstadt (ab 1669) gezählt. Wiest
rechnet diese nicht mehr zur Altstadt, sondern schon zur
Mollerstadt. Da die westliche Stadterweiterung die
Marginalisierung der Altstadt einleitete, soll Wiest gefolgt
werden. Heute gehört der Bereich der Alten Vorstadt zum
Martinsviertel (Zimmer, Martinsviertel, S. 13).
Battenberg, Anfänge, S. 22; Sabais, Ortsname, S. 21. So
vermutet schon Ackermann, Wasserburg, S. 16, daß der Name
Darmstadt auf die ursprüngliche Bezeichnung einer Stätte
("stat") eines kaiserlichen Forstbeamten zurückzuführen
sein könnte. Neuere Interpretationsversuche (Battenberg, Anfänge,
S. 22; Sabais, Ortsname, S. 25) leiten "Darmundestat"
von einer Funktionsbestimmung her. So drückt "mund"
oder "munt" ein persönliches Schutzverhältnis aus,
"darre" ist ein Tor oder Hindernis. "Darmundestat"
könnte also als ursprünglich mit Holzverschlag geschützte,
oder an einem befestigten Durchgang gelegene Siedlung vermutet
werden. Sabais, Ortsname, S. 25, schließt auch die Möglichkeit,
den Namen vom Darmbach, als Stätte am Wildbach (Dam - unda -
stat), oder Moorbach (Darm - unda - stat) herzuleiten, nicht
aus. Daß Darmstadt vom Namen Darmund, Darimund oder Tarimundis
abzuleiten ist, verweisen Ackermann, S. 16, Battenberg, Anfänge,
S. 22 und Sabais, Ortsname, S. 22f, in den Bereich der
Spekulation.
Battenberg, Anfänge, S. 21ff, 130.
Battenberg, Anfänge, S. 26, sieht hierfür keine archäologischen
oder schriftlichen Belege. Ackermann, Wasserburg, S. 18 hält
diese Möglichkeit für wahrscheinlich.
Battenberg, Anfänge, S. 23ff, 33; Ackermann, Wasserburg,
S. 16; Isenmann, Spätmittelalter, S. 42. Diese topographische
Struktur wird auch als "Burgstadt" bezeichnet (Engel,
Deutsche Stadt, S. 26f).
Battenberg, Anfänge, S. 30ff.
Battenberg, Anfänge, S. 40. Den Bereich der Unterstadt
bezeichnet Battenberg, S. 33, als Neugründung.
Battenberg, Anfänge, S. 35, 40f; Haupt, Baudenkmäler,
Bd. 1, S. 30; Sabais, Ortsname, S. 24. Battenberg sieht auch die
Anzahl von 14 Schöffen als Beleg für ehemals zwei unabhängige
Siedlungskerne. Da die "heiligen" Zahlen 7 oder 12 üblich
waren, ist anzunehmen, daß der ursprüngliche Kern der
Oberstadt sieben Schöffen hatte, zu denen sieben weitere in der
Unterstadt hinzukamen.
Battenberg, Anfänge, S. 40.
Battenberg, Anfänge, S. 34, 40; Ackermann, Wasserburg,
S. 19; Haupt, Baudenkmäler, Bd. 1, S. 30.
Battenberg, Anfänge, S. 33. Nach Engel, Deutsche Stadt,
S. 86, ging von Frankfurt eine Stadtrechtsfamilie aus, zu der
wohl auch Darmstadt gehört hat.
Isenmann, Spätmittelalter, S. 28; Ackermann, Wasserburg,
S. 19.
Battenberg, Anfänge, S. 32f.
Herbig, Mittelalter, S. 28ff; Battenberg, Anfänge, S.
34.
Herbig, Mittelalter, S. 29f; Isenmann, Spätmittelalter,
S. 42, 48f. Die Bezeichnung "Zwinger" kommt von
"niederzwingen". Da im Zwinger zeitweise auch Hunde
des Hofes gehalten wurden - dies macht auch die Bezeichnung
"Hundställer Turm" deutlich - kann der Irrtum
entstehen, "Zwinger" leite sich von
"Hundezwinger_ ab.
Der Name kommt von den darin aufbewahrten
"Feldschlangen", kleinkalibrigen Geschützen (Herbig,
Mittelalter, S. 30).
Fries, Stadtbefestigung, S. 36; Battenberg, Anfänge, S.
38.
Herbig, Mittelalter, S. 29; Battenberg, Anfänge, S. 34.
Herbig, Mittelalter, S. 28f; Battenberg, Anfänge, S. 34.
Dieses Tor wurde auch als Mokentor bezeichnet
(Battenberg, Anfänge, S. 34).
Battenberg, Anfänge, S. 34f. Ackermann, Wasserburg, S.
50, spricht dagegen von drei ursprünglichen Toren. Dieses
dritte, das Frankfurter Tor, ist auch bei Battenberg, Anfänge,
S. 113, auf dem Stadtplan mit der Nr.16, als "kleines
Arheilger Tor" abgebildet (Bild 13). Wann dieses erstmals
erwähnt wurde, sagt Battenberg nicht. Erst Wolf, Jahrhunderte,
S. 167, weist für 1645 auf das Frankfurter Tor hin. Haupt,
Baudenkmäler, Bd. 1, S. 36, erklärt das Tor als einen erst
1675 erfolgten Durchbruch für den inneren Verkehr zur Anbindung
der Vorstadt. Nach Wolf, Jahrhunderte, S. 270, wurde das Tor
1739 wieder abgebrochen, der Durchgang 1772 versperrt. Bei
Zimmermann, Schloß, S. 14, findet sich dieses Tor am Schloßgraben
als Arheilger Tor schon um 1377.
Battenberg, Anfänge, S. 34, 113. Battenberg spricht von
einzelnen Rundtürmen und in unregelmäßigen Abständen
errichteten Rechtecktürmen der inneren Mauer. Auf Bild 13 ist
aber der Hinkelsturm als einziger Turm der ursprünglichen Mauer
in Rechteckform dargestellt. Die Zahl der Türme ist mit der
Stadterweiterung gestiegen. Für den neuen Mauerabschnitt erwähnt
Haupt, Baugeschichte, Bd. 1, S. 34, nur den Turm am Cafe Oper.
An der alten Mauer wurde nach Haupt ab 1663 der Hundställer
Turm im Osten angebaut. Heute haben sich von diesen Türmen nur
noch der Weiße Turm, der Hinkelsturm und eine halbrunde Bastion
erhalten.
Haupt, Baudenkmäler, Bd. 1, S. 30; Battenberg, Anfänge,
S. 34; Herbig, Mittelalter, S. 33.
Fries, Stadtbefestigung, S. 39; Haupt, Baudenkmäler, Bd.
1, S. 41. Ernst Wörner beschrieb die Mauer und den Umgang mit
ihr 1886 sehr beschönigend: "Die Stadtmauer in Stand zu
halten, bei ihrer Anlage alle Sorge anzuwenden, war dringend
Pflicht; sie war jedem einzelnen so wichtig, wie die Pflege
seiner eigenen Hofreite". Weiter schrieb er, "Für
einen Angreifer ... boten sich sonach sehr geringe Chancen"
(Wörner, Ernst, Die Mauer um die Altstadt, 1886, nach Herbig,
Mittelalter, S. 34f). Daß dies so nicht zutraf, zeigen schon
die Angriffe von 1518 und 1546 (siehe 3.3.).
Battenberg, Anfänge, S. 40f, 45; Herbig, Mittelalter, S.
31.
Zimmermann, Schloß, S. 16f; Battenberg, Anfänge, S. 28.
Battenberg, Anfänge, S. 35; vgl. Bild 38.
Battenberg, Anfänge, S. 36f; Haupt, Baudenkmäler, Bd.
1, S. 59, 103, vermutet noch das Nebeneinander von Spielhaus und
Rathaus, so daß mit dem Schultheißenbau drei öffentliche Gebäude
bestanden hätten. Battenberg hält dies für unwahrscheinlich.
Battenberg, Anfänge, S. 41ff, nennt für die öffentliche
Ordnung außerdem die kontrollierenden Aufgaben der
"Vierer" und die dem Bürgermeister nahestehenden
Heimbürger. Letzterem oblagen die städtischen Gebäude und
Liegenschaften. Dazu kam das Amt des Waldförsters, das seinen
Ursprung auch schon in vorstädtischer Zeit hatte.
Battenberg, Anfänge, S. 37f; Haupt, Baudenkmäler, Bd.
1, S. 41. Diesen mittelalterlichen Zustand hat Buxbaum für um
1570 rekonstruiert (Deppert/Häussler, Altstadt, S. 33).
Battenberg, Anfänge, S. 47f; Zimmermann, Schloß, S. 18;
Fries, Denkmaltopographie, S. 24.
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